29.04.2005 19:53

Deutscher eSport-Verband: Reaktion auf Frontal 21-

<br> Der seit wenigen Monaten bestehende Deutsche eSport-Verband (esb) hat in einer ersten Stellungnahme zum kontroversen Frontal 21-Bericht zum Thema Computerspiele und Gewalt, die Redaktion der Sendung zu einem konstruktiven, sachlichen Dialog aufgefordert und eine zeitgem&auml;&szlig;te sowie objektive Berichterstattung gefordert. <u>Stellungnahme des deutschen eSport-Verbands zum Frontal21-Bericht</u> <br> <br> <i>„Der deutsche eSport-Bund (esb) w&uuml;nscht sich im Namen seiner Mitglieder mehr Dialogbereitschaft der ZDF-Sendung „Frontal21“. <br> <br> Im Rahmen seiner Sendung am 26.04. strahlte das ZDF-Magazin Frontal21 einen Beitrag mit dem Titel „Gewalt ohne Grenzen – Brutale Computerspiele im Kinderzimmer“ aus. Die Kernaussagen des Berichtes lassen sich wie folgt zusammenfassen: PC- und Videospiele machen aggressiv und die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) funktioniert nicht. <br> <br> Der Deutsche eSport-Bund (esb) begr&uuml;&szlig;t ausdr&uuml;cklich die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit PC- und Videospielen. Jedoch sind PC- und Videospiele keine Gewaltdroge f&uuml;r Underdogs, wie das Frontal21 darstellt, sondern vielmehr ein weit verbreitetes Massenmedium. Die Kernaussagen des Frontal 21-Beitrages k&ouml;nnen deshalb nicht unkommentiert gelassen werden, da sie in wesentlichen Bereichen nicht der Realit&auml;t entsprechen. Der esb w&uuml;nscht sich, dass die Redaktion der Sendung „Frontal 21“ einen konstruktiven und sachlichen Dialog &uuml;ber das Thema sucht. <br> <br> In der Anmoderation des Beitrages wird auf die ""gespaltene"" wissenschaftliche Sicht „&uuml;ber die Folgen“ hingewiesen. Im Film kommen dann aber nur die Experten zu Wort, die einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Spielen und realer Gewalt sehen. So hei&szlig;t es im Beitrag: „Dass Gewaltspiele harmlos seien, dass wollen viele glauben machen. Doch Wissenschaftler haben das nun widerlegt. Ihre Studien zeigen, die Spiele machen gewaltbereit und aggressiv.“ Zur Untermauerung dieser These kommen zwei Professoren zu Wort. Frontal21 verweist jedoch nicht darauf, dass andere Untersuchungen zu anderen Ergebnissen kommen, wie beispielsweise Dr. Manuel Ladas in seiner 2002 ver&ouml;ffentlichen Dissertation „Brutale Spiele(r)? – Wirkung und Nutzung von Gewalt in Computerspielen“. <br> <br> Alleine der Verweis zeigt, dass eine allgemein g&uuml;ltige Aussage &uuml;ber die Wirkung von Gewalt in Computerspielen nicht existiert. <br> <br> An anderer Stelle im Beitrag von Frontal21 hei&szlig;t es: „Die meisten Brutalspiele sind nicht indiziert und d&uuml;rfen frei verkauft werden“. Hierdurch wird der Eindruck erweckt, dass solche Spiele f&uuml;r Jedermann, also auch f&uuml;r Kinder und Jugendliche, frei erh&auml;ltlich sind. Nicht berichtet wurde, dass alle Computer- und Videospiele mit einer Altersfreigabe der USK gekennzeichnet sein m&uuml;ssen und dementsprechend nur an die vorgesehene Altersgruppe verkauft werden d&uuml;rfen. Vielmehr erweckt der Beitrag den Eindruck als sei die Mehrzahl der PC- und Videospiele jugendgef&auml;hrdenden Inhalts. Frontal21 sagt nicht, dass von allen im vergangenen Jahr von der USK gepr&uuml;ften Spielen nur rund vier Prozent die Einstufung „ab 18 Jahre“ und damit keine Jugendfreigabe erhielten. Auch wird nicht erw&auml;hnt, dass ein erheblicher Teil der in Deutschland verkauften Spiele Sport- oder Strategiespiele ohne jegliche Gewaltdarstellung sind. Der Deutsche eSport-Bund distanziert sich nachdr&uuml;cklich von Spielen, die gewaltverherrlichende oder menschenrechtsverletzende Inhalte wiedergeben. <br> <br> T&auml;glich messen sich Computerspieler in Ligen und Turnieren und tragen sogar Deutsche Meisterschaften aus, und zwar nicht nur in Ego-Shootern, sondern vor allem in Sport- und Strategiespielen. Der sportliche Charakter von PC- und Videospielen, oder besser gesagt e-Sport, wurde im Film nicht einmal am Rande erw&auml;hnt. Der Bericht von Frontal21 diffamiert einen gro&szlig;en Teil der Computerspieler und hilft nicht, die Allgemeinheit objektiv zu informieren. <br> <br> Wichtig ist dem esb, dass eine objektive Berichterstattung und Aufkl&auml;rung stattfindet und keine Feindbilder geschaffen werden. Die Games-Branche unternimmt selbst sehr viel f&uuml;r die Aufkl&auml;rung im Umgang mit PC- und Videospielen, aber im Kinderzimmer hat auch sie wenig Einfluss – dieses obliegt den Eltern. Daher z&auml;hlt die F&ouml;rderung von Medienkompetenz zu den wichtigsten Aufgaben der Gesellschaft. Es ist gerade die Aufgabe eines &ouml;ffentlich rechtlichen TV-Senders, Eltern zu informieren und zu animieren, genau zu beobachten, womit sich ihre Kinder besch&auml;ftigen. Das schlie&szlig;t alle Medien ein und darf sich nicht nur auf PC- und Videospiele erstrecken. Kinder kommen heutzutage unweigerlich mit Massenmedien und damit auch mit PC- und Videospielen in Ber&uuml;hrung. Eltern kennen die Spiele und Filme meist nicht und scheinen damit &uuml;berfordert zu sein. Als Folge werden Kinder allzu oft mit ihrem Medienkonsum allein gelassen. <br> <br> Die Art der Berichterstattung von Frontal21 hilft niemandem, am allerwenigsten den Jugendlichen, f&uuml;r die wir alle eine Verantwortung haben. Der Deutsche eSport-Bund fordert deshalb von Frontal21 eine zeitgem&auml;&szlig;e und objektive Berichterstattung.“</i>